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Die Geschichte der Korbindustrie

 

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Die Korbmacherei entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den Orten nordöstlich von Lichtenfels, insbesondere in Michelau.

Die Einwohner in den übervölkerten Orten konnten sich nicht mehr allein durch die Landwirtschaft ernähren. Das Korbmacherhandwerk war für viele eine gute zweite Einnahmequelle, denn man brauchte wenig Werkzeug und das Material, die Weide, war ausreichend vorhanden. Die Lage im Maintal und die jährlichen Überschwemmungen, die der Fluss mit sich brachte, boten ideale Bedingungen für das Wachstum der Pflanzen.

Dank der guten Eisenbahnanbindung wurde die Korbindustrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum führenden Wirtschaftszweig in Lichtenfels.

 

Die Korbwaren wurden in Heimarbeit, meist unter Mithilfe der gesamten Familie, hergestellt. Anfangs zogen die Korbmacher selbst auf Handelsreise um ihre Waren (manchmal auch die eines Nachbarn) zu verkaufen. Die ersten Körbe wurden bald bis nach Holland exportiert; schon bald folgten Preußen und Russland, im frühen 19. Jahrhundert sogar Amerika.

Seit den 1820er ließen sich Verleger, die oft noch selbst aus einer Korbmacherfamilie stammten, von den Flechtern beliefern und kümmerten sich um einen weltweiten Vertrieb.

Spätestens in der zweiten Generation waren diese Händler ausgebildete Kaufleute, die u. a. durch Messen, Weltausstellungen, Vertreter und Kataloge für genügend Absatz sorgten.

Von den Korbmachern, die diese Handelshäuser belieferten, wohnten die wenigsten in Lichtenfels, sondern in den Dörfern im Dreieck Lichtenfels – Coburg – Kronach, wo für viele Orte die Flechterei der wichtigste Erwerbszweig war. Die bedeutendsten Korbmacherdörfer waren Michelau, Schwürbitz, Weidhausen, Marktzeuln und Marktgraitz.

An den Liefertagen (für gewöhnlich Mittwoch und Samstag) brachten die Korbmacher ihre in Heimarbeit gefertigten Korbwaren zu den Handelshäusern nach Lichtenfels. In der Stadt deutete sonst wenig auf ein korbindustrielles Leben hin. Doch an diesen Tagen zogen ganze Karawanen von Korbflechtern die Straßen entlang. Männer und Frauen, Erwachsene und Kinder, hoch beladen mit Körben, die zu gewaltigen Bündeln zusammengeschnürt waren.

Aufgrund der großen Zahl von Korbmachern waren die Händler in der Lage, ihren Kunden eine ungeheure Palette von Artikeln anzubieten. Daher waren die Handelshäuser auch ständig auf der Suche nach neuen Materialien. Um die Jahrhundertwende verarbeitete man längst nicht mehr nur Weide – und selbst diese wurde fast ausschließlich importiert, die hochwertigsten Sorten aus Frankreich - , hinzugekommen waren südostasiatisches Rotan (Rattan) und das daraus produzierte Peddig, spanisches und nordafrikanisches Espartogras, kubanisches Palmblatt, italienische Strohborten, böhmische Holzfasergeflechte, chinesische Reisstrohzöpfe und vieles mehr.

1901 setzte die oberfränkische Korbindustrie (inklusive die Firmen in Sachsen-Coburg) Waren im Wert von insgesamt 11 Millionen Mark ab.

Aus Lichtenfels und Coburg zusammen wurden 1912 über 3.900 Güterwaggons mit Korbwaren versandt.

Die Korbhändler lebten durchweg im Wohlstand. Davon zeugen noch heute viele Villen am Bahnhofplatz, in der Bahnhofstraße, in der Bamberger und in der Kronacher Straße.

Ihre Stellung als Zentrum der Korbindustrie verfestigte die Stadt noch, als im Mai 1904 hier – und nicht in einem der großen Korbmacherdörfer wie Michelau oder Marktzeuln – die Königliche Fachschule für Korbflechterei eröffnet wurde.

Die Fachschule war zunächst provisorisch in einigen Zimmern des Rathauses und in einem Saal der Volksschule untergebracht. Erst 1909/10 entstand das Schulgebäude in der Kronacher Straße. Auch heute befindet sich hier noch Deutschlands einzige Korbfachschule, die „Staatliche Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung“.

Quelle: „Lichtenfels, Korb- und Eisenbahnerstadt am oberen Main“ von Prof. Dr. Günter Dippold

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Grossansicht in neuem Fenster: Buch: Lichtenfels, Korb- und Eisenbahnerstadt am oberen Main

TIPP:
Weitere interessante Informationen über die Geschichte von Lichtenfels können Sie im Buch "Lichtenfels - Korb- und Eisenbahnerstadt am oberen Main" nachlesen.
Autor: Prof. Dr. Günter Dippold
Bayerische Städtebilder, Franken

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