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Geschichte der Trinkwasserversorgung

Wir können von Glück sagen, dass wir nicht mehr in der "guten alten Zeit" des Mittelalters leben; denn für uns ist es selbstverständlich, dass wir zu jeder Zeit und in jeder Menge mit Trinkwasser von hoher Qualität versorgt werden.

Ein alltäglicher "Wasser-Morgen" mit Pit, Tina und Mutter Bildliche Darstellung des beschriebenen -Wasser-Morgens- der Familie MüllerMüller...

6:30 Uhr: Ein Wochentag wie jeder andere. Der Wecker piept drängend und will nicht aufhören. Pit geht zur Toilette, Tina duscht schon.

 

7:00 Uhr: Frau Müller stellt den Kaffee auf den Tisch und ruft zum Frühstück.

 

7:30 Uhr: Tina und Pit machen sich auf den Weg zur Schule. Mutter Müller beginnt mit dem Abwasch.

 

8:00 Uhr: In Pits Klasse beginnt der Physikunterricht mit einem einfachen Gruppenversuch. Thema: "Die Oberflächenspannung des Wassers".

 

9:30 Uhr: Zu Hause wird geputzt und gewaschen.

 

10:15 Uhr: Tinas Klasse hat Sportunterricht im Schwimmbad. Heute wird die Schwimmsportprüfung in Bronze abgenommen.

 

So oder ähnlich sieht der Alltagsmorgen in vielen Familien aus. Trinkwasser spielt dabei eine große Rolle. Trinkwasser ist das Lebensmittel Nr. 1!

 

Versorgung mit Trinkwasser - selbstverständlich für uns, Luxus für andere...

Für uns ist die Versorgung mit Trinkwasser so selbstverständlich wie das Aufstehen am Morgen und Zubettgehen am Abend. Für viele Millionen Menschen in der Welt ist jedoch eine regelmäßige Versorgung mit Trinkwasser immernoch ein unerreichbarer Luxus.

 

Merke: Wasser in ausreichender Menge und Qualität gehört zu den unabdingbaren Voraussetzungen für das Leben von Mensch, Tier und Pflanze.

 

Blick in die Vergangenheit

In der Kulturgeschichte der Menschheit spielt Wasser eine entsprechende Rolle: Als der Mensch zwischen dem 10. und 5. Jahrtausend v. Chr. den großen Schritt vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern und Viehzüchter tat, siedelte er sich dort an, wo er Wasser fand. Dieses bildete die Grundlage für die sesshafte Lebensform, aus der sich die ersten Hochkulturen entwickelten. Die Täler der großen Ströme bildeten hierfür die besten Voraussetzungen.

Die Menschen in der Zeit dieser Hochkulturen lernten das Wasser zu zähmen und zu nutzen. Sie bauten weiträumig angelegte Bewässerungssysteme, Kanäle, Sammelbecken und Dämme für die Landwirtschaft und entwickelten Brunnenanlagen und Schöpfwerke für die Trinkwasserversorgung.

 

Götter und Gesetze für den Wasserschutz

Das Wasser galt als besonders kostbar, als "Geschenk des Himmels" und "Inbegriff der Reinheit".

Flüsse, Seen und Quellen wurden oft selbst als Gottheit verehrt - so zum Beispiel der Nil als "heiliger Strom" und - wie heute noch - der Ganges, Indiens drittgrößter Fluss. Ein Bad in ihm, so glauben die Hindus, wäscht von Sünden rein. Häufiger jedoch stellten die Menschen das Wasser unter den Schutz göttlicher und dämonischer Wesen.

In Griechenlands Gewässern, Flüssen und Quellen tummelten sich über 3 000 mehr oder weniger niedere Götter und Göttinnen, z.B. die Nerëiden und Nymphen, zur Ehre und zum Schutz des Wassers.

 

Merke: Aber schon in der Zeit der frühen Hochkulturen wussten die Menschen, dass auf die Götter allein kein Verlass war: Die Babylonier erließen die ersten Gesetze zum Schutz des Wassers und Trinkwassers.

Zeichen für die große Wertschätzung des Wassers in früher Zeit!

 

Trinkwasserversorgung im römischen Reich

Ein Aquädukt

   Römische Ingenieure, Techniker und

   Architekten entwickelten herausragende

   Fähigkeiten, um die Städte mit Trinkwasser

   zu versorgen. Im 3. Jahrhundert v. Chr.

   erhielt die Stadt Rom ihre erste

   Wasserleitung. Schon 100 n. Chr. deckten

   bereits neun Aquädukte (über Brücken

   geführte Wasserleitungen) den ständig

   steigenden Bedarf der Reichshauptstadt mit 700 000 Kubikmetern Wasser täglich! Die Trinkwasserversorgung in Rom lag in der Verantwortung eines Wasserdirektors mit einem Stab von 700 Technikern. Über Verträge wurden private Installationsfirmen mit dem Bau und der Wartung von Wasserversorgungseinrichtungen beauftragt.

 

"Die Nürnberger Wasserwerke liefern täglich etwa 120 000 Kubikmeter Trinkwasser, die Kölner bis zu 320 000 Kubikmeter. Wisst Ihr, wie viel Euer Wasserversorgungsunternehmen täglich in die Leitungen pumpt!?"

 

Vorbildliche Trinkwasserversorgung in der Provinz Niedergermanien

Ein freigelegter Teilabschnitt der EifelwasserleitungEine der großartigsten Leistungen römischer Ingenieur- und Baukunst nördlich der Alpen war die Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln. Mit 95,4 Kilometer war sie eine der längsten Fernwasserleitungen im römischen Reich. Rund 500 Arbeiter errichteten an zwanzig Wanderbaustellen über fünf Jahre lang dieses Meisterwerk, das die Provinzhauptstadt Niedergermaniens, die Colonia Claudia Ara Agrippinensium (das heutige Köln), vom 1. bis 3. Jahrhundert mit gutem Trinkwasser aus der Eifel versorgte - und zwar mit einer Förderkapazität von 20 000 Kubikmetern täglich. Der Kanal war so robust gebaut, dass er in großen Teilen noch heute erhalten ist. Ein Römerkanal-Wanderweg wurde Mitte 1988 in Nettersheim eröffnet.

 

Arten der Wasser- und Trinkwasserversorgung 

Die Einzelwasserversorgung

Bis zum Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert versorgten sich die Menschen selbst mit Trinkwasser, das vor allem aus

- Brunnen,

- eingefassten Quellen und

- offenen Gewässern

entnommen wurde.

 

Diese Art der Versorgung wird als Einzelwasserversorgung bezeichnet. In einigen Regionen der Erde ist sie noch immer die Regel.

 

Die zentrale WasserversorgungAlter Dorfbrunnen mit Holzüberdachung

Heute ist fast die gesamte Bevölkerung unseres Landes (98 Prozent) an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen. Das an einem Ort gewonnene oder gespeicherte Wasser gelangt durch Rohrleitungen zu den Abnehmern. In geringem Umfang deckt noch ein Teil der Bevölkerung den Bedarf aus eigenen Brunnen.

Der Ausbau der zentralen Wasserversorgung begann mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und dem damit verbundenen Entstehen und Wachsen der Großstädte. Dadurch stieg der Bedarf an Trink- und Brauchwasser sehr stark an. Gleichzeitig verlor die Einzelwasserversorgung an Bedeutung.

Erstmals ging man dazu über, das Trinkwasser in Kies- und Sandfiltern zu reinigen. In Hamburg entstand 1848 das erste Wasserwerk in Deutschland, das Trinkwasser bis in die Wohnungen leitete.

 

Die Trinkwasserversorgung heute - sicher zu jeder Zeit 

Die sichere Versorgung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser wird trotz allen technischen Fortschritts immer schwieriger und damit aufwendiger.

Diese Aufgabe erfüllt die öffentliche Wasserversorgung. Sie hat sich in über 140 Jahren zu einer hochspezialisierten Organisation entwickelt. Rund 6 300 Wasserversorgungsunternehmen beliefern Dörfer, kleine und große Gemeinden, Millionenstädte und ganze Landstriche.

 

Hintergrund-Info: Wasserbedarf

Im Zeitraum von 1950 bis 1985 stieg der Trinkwasserbedarf je Einwohner in der Bundesrepublik Deutschland pro Tag von 85 auf 145 Liter. Seit dieser Zeit ist der Gebrauch fast gleich geblieben.

Grafik: Wasserabgabe an Haushalte und Kleinverbraucher pro Kopf und Tag in Litern. Seit 1986 sind die Werte fast unverändert.

 

Merke: Zu dieser Steigerung haben vor allem die Verbesserung der sanitären Einrichtungen sowie moderne Haushaltsgeräte geführt. Beispiel: 1950 waren nur etwa 20 Prozent aller Wohnungen mit einem Bad ausgestattet, 1960 hatten schon etwa 93 Prozent ein Bad.

 

Die öffentliche Trinkwasserversorgung

Die Aufgaben der Wasserwerke sind vor allem die

  • Wassergewinnung und
  • Wasserverteilung

 

sowie je nach örtlichen Gegebenheiten, die

  • Wasseraufbereitung und
  • Wasserspeicherung

 

Trinkwasserversorgung und Gewässerschutz

Der Einsatz von Chemikalien in Industrie und Haushalt sowie die Verwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln und nitratreichem Dünger in der Landwirtschaft gefährden zunehmend das Grund- und Oberflächenwasser.

Die zum Schutz des Wassers erlassenen Gesetze können bisher nicht die Belastung der Gewässer mit unerwünschten Stoffen ausreichend vermindern.

Das ist die Ursache dafür, dass es für die Wasserversorgungsunternehmen immer schwieriger und teurer wird, die Trinkwasserversorgung sicherzustellen!

 

 

Ein Männchen gießt mit dem Gartenschlauch die Blumen und denkt daran, wie mühsam das früher mit Eimern war

Hintergrund-Info:

Gefahr für die Trinkwasserversorgung!

1982 wurden die bei uns infolge von selbstdurchgeführten Ölwechseln 7,4 Millionen Liter Altöl nicht ordnungsgemäß beseitigt. Damit wurden in diesem Jahr 7,4 Billionen Liter Wasser gefährdet; denn 1 Liter Mineralöl kann bis zu 1 Millionen Liter Wasser ungenießbar machen.

 

"7,4 Billionen Liter sind in Zahlen ausgeschrieben 7 400 000 000 000! Der Starnberger See hat ca. 3,1 Billionen Liter (3,1 Milliarden m³) Inhalt!"

 

Hintergrund-Info:

Mit rund 281 000 Kilometern ist das Rohrnetz der öffentlichen Wasserversorgung in der Bundesrepublik Deutschland heute länger als der siebenfache Erdumfang.

 

Knapp 5 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser - rund drei Prozent der zur Verfügung stehenden Wassermenge - werden in der Bundesrepublik Deutschland jährlich benötigt. Sie werden von der öffentlichen Wasserversorgung bereitgestellt. Drei Viertel der Trinkwassermenge sind Grund- und Quellwasser, der Rest ist Oberflächenwasser.

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