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Der Weg des Erdgases bis nach Deutschland

So kommt das Erdgas ins Haus

Acht Tage von Sibirien bis zum heimischen Herd!

Das in deutschen Wohnungen verbrauchte Erdgas hat meist einen weiten Weg hinter sich: Da es in Deutschland nur geringe eigene Erdgasvorkommen gibt, müssen über 80 Prozent des hierzulande verbrauchten Erdgases importiert werden.

 

Ferngasunternehmen transportieren das Erdgas über bis zu fünftausend Kilometer lange Pipelines von den Fördergebieten bis an Deutschlands Grenzen. Sie sind vergleichbar mit den Autobahnen im bundesdeutschen Verkehrssystem. Die Funktion von Landstraßen haben die Netze der Regionalverteiler. Sie transportieren das Erdgas weiter in die Regionen und bis zu den Städten. Von dort wird das Erdgas von den Stadtwerken beziehungsweise den lokalen Erdgasversorgern direkt zu den Kunden
weiterbefördert. Die Netze der lokalen Erdgasversorger sind vergleichbar mit dem örtlichen Straßennetz.

 

Es dauert mehrere Tage, das Erdgas von den Förderstätten bis zum heimischen Herd zu transportieren. Ein Gaspartikel bewegt sich etwa mit der Geschwindigkeit eines Mofas und ist aus Sibirien ungefähr acht Tage lang unterwegs. Bei der Förderung aus den unterirdischen Lagerstätten strömt das Erdgas mit hohem Druck aus dem Bohrloch. Durch geeignete Armaturen und Verbindungsleitungen wird es in das Fernleitungsnetz eingespeist und auf den Fernleitungsdruck eingestellt.

 

Während des Gasflusses über längere Strecken fällt der Druck durch die Reibung der Gasmoleküle im Gasstrom selbst und an den Rohrwänden ab. Der so verminderte Druck muss zum Weitertransport wieder erhöht werden. Dies geschieht in so genannten Verdichterstationen, die im Fernleitungsnetz in einem Abstand von 100 bis 200 Kilometern installiert sind.

 

Weltweite Erdgasvorkommen

Die weltweiten Erdgasressourcen reichen noch bis weit ins nächste Jahrhundert hinein. Nach Berechnungen von British Petroleum liegen 73 Billionen Kubikmeter der weltweiten Erdgasreserven im Nahen Osten und 14 Billionen in Asien. In Nordamerika sind es ebenso wie in Mittel- und Südamerika jeweils sieben Millionen Kubikmeter. 64 Billionen Kubikmeter der Erdgasvorkommen befinden sich in den GUS-Staaten sowie zu einem sehr geringen Teil auch in Westeuropa. Damit liegt ein großer Teil der weltweiten Erdgasreserven in politisch instabilen Regionen.

 

Um die deutsche Gasversorgung langfristig zu sichern, importieren die
Erdgasversorger Erdgas aus unterschiedlichen Ländern: 34 Prozent werden aus Russland, 25 Prozent aus Norwegen und 20 Prozent aus den Niederlanden bezogen. Die restlichen sechs Prozent stammen aus Großbritannien und Dänemark. Die inländische Förderung deckt 15 Prozent des Erdgasverbrauchs in Deutschland.

 

Russland - der weltgrößte Erdgasproduzent

Russland verfügt über die größten Erdgasreserven der Welt. Ein großer Teil des in Deutschland verbrauchten Erdgases wird aus Sibirien importiert. Die
Erdgasvorkommen in Sibirien sind allerdings aufgrund der extremen klimatischen Bedingungen bei Dauerfrost - so genannter Permafrost - und winterlichen Temperaturen von bis zu minus 60 Grad Celsius schwierig zu erschließen. Russische Erdgasunternehmen sind deshalb bei der technisch anspruchsvollen und kostenintensiven Erdgasförderung häufig an der Kooperation mit deutschen Unternehmen interessiert.

 

Jüngstes Beispiel für die Zusammenarbeit: BASF, E.ON Ruhrgas und der weltgrößte Erdgasproduzent Gasprom haben im September 2005 den Bau einer Pipeline durch die Ostsee beschlossen. Die Pipeline wird ab 2010 jährlich mehr als 27 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Westsibirien nach Deutschland transportieren. Gegenwärtig würde diese Menge ein Viertel des deutschen Bedarfs decken. Die Ostseepipeline schafft eine direkte Verbindung zwischen den Erdgasfeldern in Sibirien und den deutschen Erdgasunternehmen.

 

Derzeit führt der Weg des sibirischen Erdgases nach Deutschland durch mehrere Transitländer - unter anderem Polen und Weißrussland. Die Ostseepipeline ist ein weiterer wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit mit Erdgas in Deutschland.

 

Erdgas aus Norwegen, den Niederlanden und Deutschland

Aus Norwegen kommt ebenfalls ein erheblicher Teil des in Deutschland verbrauchten Erdgases. Gefördert wird es mit Unterwasserpipelines aus Feldern in der norwegischen Nordsee aus bis zu 2000 Metern Wassertiefe. Auch hier sind hohe Investitionen erforderlich: Bei der Erschließung des etwa 100 Kilometer nordwestlich der Stadt Bergen gelegenen Troll-Feldes beispielsweise waren 4,1 Milliarden Euro nötig, um Förderplattformen und Aufbereitungsanlagen zu errichten. Das Troll-Feld zählt neben dem niederländischen Groningen-Feld zu den größten bisher entdeckten
Erdgasvorkommen in Westeuropa. Weitere wichtige Erdgaslieferungen kommen aus dem Ekofisk-Gebiet etwa 440 Kilometer vor der deutschen Küste in der norwegischen Nordsee und dem Statfjord-Feld in der nördlichen norwegischen Nordsee.

 

Auch die Erdgasreserven in den Niederlanden tragen zur Versorgung Deutschlands mit Erdgas bei. Zu nennen ist hier vor allem das Groningen-Feld, das aufgrund der räumlichen Nähe vor allem genutzt wird, um Bedarfsspitzen zu bedienen.

 

In Deutschland wird Erdgas vor allem in der norddeutschen Tiefebene gefördert. Im Gegensatz zu Steinkohle ist die Erdgasförderung in Deutschland wirtschaftlich möglich, jedoch sind die Erdgas- und Erdölfelder in Deutschland zunehmend erschöpft und es wird immer schwieriger und aufwändiger, neue Erdgas- und Erdölfelder zu erschließen. Erschöpfung der Lagerstätten, kleine Felder und große Bohrtiefen bedeuten rückläufige Förderergebnisse und steigende Anforderungen an die Produktionsanlagen. Ein mögliches Förderpotenzial für die zukünftige Erdgasförderung in Deutschland bietet „Tight Gas" - Erdgas, das schwer zu fördern ist , da die Porenräume der Lagerstätten mit Tonmineralen verstopft sind. Mit den herkömmlichen Methoden kann Tight Gas kaum gefördert werden. Derzeit werden neue innovative Technologien entwickelt und erprobt.

 

Erdgasversorgung über Pipelines

Erdgas ist ein leitungsnetzgebundener Energieträger. Um die Pipelines zu bauen und zu betreiben, durch die das Erdgas über bis zu 5.000 Kilometer bis nach Deutschland transportiert wird, sind hohe Investitionen notwendig. Zu der Versorgung über Pipelines gibt es im Moment keine wirtschaftlich sinnvolle Alternative. Zwar wurde schon in den 70er Jahren eine Technologie zum Transport von Erdgas per Tankschiff entwickelt. Hierzu muss das Erdgas bei minus 162 Grad Celsius verflüssigt (sog. Liquefied Natural Gas - LNG) und in stark isolierte Spezialtankschiffe gefüllt werden. LNG besitzt nur etwa 1/600stel des Volumens von Erdgas im gasförmigen Zustand. Per Pipeline derzeit nicht angebundene Regionen wie beispielsweise Japan werden mit Hilfe dieser Technik beliefert. Für die Deckung des europäischen und selbst des deutschen Bedarfs ist diese Technik aus Kapazitäts- und Preisgründen jedoch derzeit nicht geeignet. Dennoch kann LNG mittelfristig eine wichtige Ergänzung zu Pipelinegas sein. Die zusätzlichen freien Mengen Erdgas könnten einen Beitrag leisten, den Wettbewerb im Erdgasmarkt weiter voranzutreiben.

 

 

Ansprechpartner

Werkleiter

Dipl.-Ing. (FH) Dietmar Weiß

Tel.: +49 9571 9552-30

Fax: +49 9571 9552-52

E-Mail: dietmar.weiss@stadtwerke-lichtenfels

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